Schule anno dazumal: Konrad-Adenauer-Schule feiert Abschluss der Projektwoche

Wer in der vergangenen Woche in einen Klassensaal der Konrad-Adenauer-Schule (KAS) geschaut hätte, der hätte sich auf einer Zeitreise gewähnt: Mädchen mit langen Zöpfen und Kniestrümpfen saßen dort, brave Jungs, die Hände auf dem Tisch, vor sich eine Schiefertafel. Wenn die Lehrerin in den Raum kam, da standen sie alle auf. 50-jähriges Jubiläum feiert die Grundschule; Anlass genug, während der Projektwoche den Mädchen und Jungen zu zeigen, wie Schule anno dazumal funktionierte.

Zwei Tage lang herrschten ein strenger Ton und feste Regeln im Unterricht. Aus Sport wurde Leibesübung, in der Pause wurde auf Stelzen gelaufen, mit dem Reifen gespielt oder Eierlaufen. Auch Boule übten die Kinder, denn das spielte ein gewisser Konrad Adenauer (1876 bis 1967) so gerne. Der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland (1949 bis 1963) ist Namensgeber der Schule. Also lag es nahe, dass man auch über ihn vieles lernte. Seine Lebensdaten wissen die Schüler der KAS nun aus dem Effeff. Oder sollten sie zumindest.

Auch dem Museum der Stadt hatten die Schüler im Rahmen der Projektwoche einen Besuch abgestattet, dort die Ausstellungsstücke zum Thema betrachtet und viel über die Schule von einst gelernt. Manches gefiel den Kindern, manches mochten sie gar nicht. Immer nur still und gerade sitzen, die Hände auf den Tisch legen – das fanden die meisten „doof“. Manch eine hatte sogar „Angst, dass ich was falsch mache und eine Strafe bekomme“. Zur Beruhigung: Auf den Rohrstock oder andere körperliche Züchtigungen wurde selbstverständlich verzichtet.
Abschluss der Projektwoche mit Musik und Tanz

Am Freitagnachmittag trafen sich Schüler, Lehrer und Besucher in der Turnhalle. Wie immer zum Abschluss der Projektwoche stand die Präsentation der Schul-AGs an. Der Chor der ersten und zweiten Klassen eröffnete die Veranstaltung mit Schwung. Die beiden ersten Klassen haben – fest im Stundenplan verankert – eine Stunde Chor pro Woche. Sie begeisterten unter anderem mit dem „Lama aus Yokohama“, dem Lied von den Piraten und „Mobo Dju Dju“.

Schwungvoll ging es weiter mit der Tanz-AG. Auch zwei Jungs performten mitreißende Choreos zu „Lush Life“, „Ain’t my fault“ und „Sofia“. Riesiger Beifall belohnte die Sänger. Obligatorischen Blockflötenunterricht haben alle Zweitklässer der Schule. Die Kinder sagten sich selbst an. Seit den Herbstferien erlernen sie das Instrument. Und „weil wir so fleißig geübt haben, ist es uns gelungen, ein Stück aus der 9. Symphonie einzustudieren.“ „Freude schöner Götterfunken“ hatten sich die Mädchen und Jungen ausgesucht und hofften, dass ihnen „die Götter uns beim Vorspielen gnädig sind“. Das waren sie. Harmonisch erfüllte das Stück die Turnhalle.

Die Schüler der Spanisch-AG sangen auf Spanisch von „Sofia“.

Sogar eine „Singstar-AG“ gibt es an der KAS. Das hätte sich Adenauer nie träumen lassen, dass Kinder Hits zu Musik vom Tonband präsentieren. „Wir sind groß“ und „80 Millionen“ wurden eifrig beklatscht. Wie man Leinwandpräsentationen erstellt, lernen die Viertklässler. Die Sprach-Intensivklasse begeisterte mit Songs wie „Alle Kinder lernen lesen“ oder „Herz über Kopf“. Auch die Taekwondo-AG stellte sich vor.

In einem Film wurde der Kunst-Unterricht vorgestellt. Der Grafiker Gero Kastner unterrichtet ehrenamtlich. Zunächst ging es Kastner darum, dass die Kinder aus Flüchtlingsfamilien sich mit Farben all ihre Eindrücke von der Seele malten. Momente, die immer wieder nahe gingen, in denen sich Kastner auch psychologische Hilfe für das eine oder andere Kind gewünscht hätte. Doch allein dieses intuitive Malen half den den Mädchen und Jungen, die teilweise Schlimmes erfahren mussten in ihrem jungen Leben.

Geduld und Engagement legten die Kinder zutage, so der Grafiker. Sie seien bemüht, die Sprache zu lernen, wollten dazugehören. Und Kastner vermittelt, dass in Deutschland Mädchen und Jungen die gleichen Rechte haben, dass man Respekt voreinander haben muss.

Den Schlusspunkt des unterhaltsamen Nachmittages setzte ein Tanz voller Power, vorgeführt von den 4. Klassen: „Willkommen in den Sixties“.

von Astrid Wagner

Quelle: Bürstädter Zeitung

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