Die Augen müssen nach oben sehen

Kartoffeln

KONRAD-ADENAUER-SCHULE Drittklässler ernten selbst angebaute Kartoffeln und zaubern daraus leckere Gerichte

HEPPENHEIM – (rid). Was man selbst geerntet und zubereitet hat, schmeckt meist viel besser als alles andere. Diese Erfahrung machten in dieser Woche auch die Grundschüler der Heppenheimer Konrad-Adenauer-Schule. Sie ernteten die Erdäpfel, die einen wurden in der Feuergrube gegart, die andere zu leckeren Ofenkartoffeln verarbeitet.

Die achtjährige Franziska kennt sich aus. Sie erzählt, dass die verschiedenen Klassen im Frühjahr Kartoffeln gesteckt haben. Kartoffeln, die man in die Erde stecken möchte, so die Schülerin, hätten Augen, die müssten nach oben sehen. Dann werde die Kartoffel mit Erde überhäufelt und gegossen. Wenn die Pflanze wächst, müsse man immer darauf achten, dass alles mit Erde bedeckt sei, sonst würden die Kartoffeln grün und damit ungenießbar.

Während die einen gemeinsam mit den fleißigen Männern der Wohngemeinschaft Bergstraße noch eifrig nach den Kartoffeln graben, sind die anderen in der Schulküche schon fast fertig mit ihrem leckeren Kartoffelgericht. Beate Weinmann ist die Klassenlehrerin der 3b, die hier am Werke ist.

Nur ein sauberer Löffel darf in den Quark

Alisa erklärt genau, wie man den Kräuterquark richtig abschmeckt: Man müsse mit einem sauberen Löffel den Quark aus der Schüssel entnehmen und davon etwas auf den eigenen Löffel geben und dann probieren. Schließlich „will man ja nicht die Spucke von anderen im Mund haben“.

Ilayda, Sevinch und Kevin verraten gemeinsam das Quarkrezept. Die Kinder sprühen vor Freude. Rihanna hilft auch daheim oft in der Küche, hat sogar schon einmal ganz alleine Spaghetti mit Tomatensoße, Salat und Würstchen gekocht. Sie ist also fast schon eine Profiköchin.

Die Schule hofft, dass die Schulküche auch nach der Renovierung des Gebäudes erhalten bleibt. Hier lernen die Mädchen und Jungen so viel nützliches für ihr späteres Leben: gesunde Ernährung etwa. Viele Jungs kommen erst durch die Schule auf die Idee, dass ihnen in der heimischen Küche der Zutritt nicht verboten ist, sondern sie dort auch selbst mal kochen und helfen können.

Gerade auch in Verbindung mit dem Schulgarten ist die Küche eine tolle Sache. Hier lernen die Kinder, wie man verarbeitet, was man anbaut. Es gibt Kinder, die bis zum Kartoffelprojekt nicht einmal wussten, wie Pommes frites oder Chips entstehen. Und gerade in Zeiten, wo immer mehr Kinder Übergewicht haben, kann hier ein Grundstock gelegt werden, den Nachwuchs für das Thema Ernährung zu sensibilisieren. Außerdem ist es eine wunderbare Sache für das Gemeinschaftsgefühl. Auch von der Zusammenarbeit mit der Wohngemeinschaft Bergstraße profitieren beide Seiten.

Und endlich ist es soweit: das Essen wird serviert und mit einem Mal herrscht gefräßige und zufriedene Stille. Es schmeckt köstlich!

Im leichten Nieselregen stapfen derweil die Schulkameraden durch den Matsch. Das Kartoffelfeuer qualmt. In Alufolie gewickelt liegen die Erdäpfel in der Glut und garen.

Lehrerin Tina Friedmann hält eine Kartoffelpflanze hoch und fragt in die Runde der Zweitklässler: „Was ist das Vertrocknete, was da an der Wurzel hängt?“ Wie aus der Pistole geschossen kommt die Antwort: „Das ist die Mama-Kartoffel.“ Richtig, es ist die Kartoffel, die die Kinder seinerzeit im Mai in die Erde gesteckt haben.

Gar nicht aufhören wollen die Meldungen, als Friedmann fragt, was man alles aus Kartoffeln machen kann.

Von Kartoffelpuffern bis zum Salat, von Chips bis zur Suppe wird alles aufgezählt. Und alles, was neu gelernt wurde, das wird ins Heft gemalt und geschrieben. Wieder einmal bestätigt sich hier, dass man am leichtesten das lernt, was man erfahren, erfühlen und in diesem Fall sogar schmecken kann. Nicht nur Theorie, Praxis ist gefragt. So macht das Lernen Spaß.

Echo Online, 19.09.2015

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